Auto und Familie
„Um den Seinen die Schönheit der Welt zu zeigen“
Kaum eine Familie ohne Auto, das Transportmittel, das es ihr erlaubt, überall hin zu fahren, wohin sie es möchte. Familie und Auto sind heute unzertrennlich, nicht zuletzt, weil das Auto sich im Lauf der vergangenen Jahrzehnte kontinuierlich den Bedürfnissen der Familie angepasst hat …
Der „pferdelose Wagen“ war von Anfang an nicht nur dazu da, seinen „Conducteur“ einfach mal von A nach B zu fahren. Er war bereits vor der Jahrhundertwende 1899/1900 ein Transportmittel für die Familie, allerdings nur für begüterte. Beredtes Beispiel: die „Vis-à-Vis“ von Amédée Bollée fils, De Dion Bouton, Georges Richard, Peugeot, Decauville und anderen, in der sich vier Mitfahrende hoch oben paarweise gegenüber saßen. Der Kutscher war zum Chauffeur avanciert, zum fahrenden Diener, der auch etwas von der Mechanik zu verstehen hatte. Eugen Diesel (Sohn von Rudolf Diesel, Erfinder des nach ihm benannten Motors) schreibt in seinem Buch „Autoreise 1905“ (Reclam-Verlag, Leipzig, 1941): „Fast jeden Tag war etwas am Wagen zu tun, Ventile waren einzuschleifen, Ölkohle vom Kolben zu entfernen, das Gestänge der Abreißzündung nachzustellen, der Vergaser auseinanderzunehmen“. Der Vergaser wurde als „Versager“ beschimpft, und die Pneumatiks machten regelmäßig schlapp. Trotzdem: Der Motorwagen fuhr, er fuhr bereits 1905 die Diesel-Familie von München durch die Schweiz nach Italien, „auch bergauf wie der Teufel“. Die Fahrt mit dem erst kurz zuvor angelieferten NAG (Neue Automobil-Gesellschaft) konnte beginnen. Zitieren wir Eugen Diesel ein letztes Mal: „Froh hatte er (der Vater; die Red.) die Familie in den eigenen Wagen geladen, mit den freundlichsten Vorsätzen, den Seinen die Schönheit der Welt zu zeigen, die geliebte Frau zu erfreuen, die Jugend zu belehren, alle und sich selbst aber zu beglücken“.
Die europäische Autoindustrie gesundet flink und fleißig. Auf Luxemburger Straßen gehen die aus Großbritannien kommenden Ford Prefect und Anglia, Singer SM, Morris Minor, Hillman Minx, Vauxhall Velox usw., aus Frankreich die bereits seit 1934 gebaute Citro‘n Traction sowie Peugeot 203, Renault 4CV, Ford Vedette ... den „Uncle Sam“-Limousinen (noch) aus dem Wege. In Deutschland sind die meisten Industrieanlagen ein Trümmerhaufen. Die Autoindustrie erwacht aber schnell zu neuem Leben, geht aber teils sonderbare Wege. In der Bevölkerung herrscht große Armut, die Folge: eine ganze Reihe Minimalautos: BMW Isetta mit Ein-, später mit Zweizylindermotor, der Zweizylinder-Goggomobil als Viersitzer, später sogar als Coup..., Zündapp Janus mit Einzylindermotor und vier Sitzen, die beiden hinteren rückwärts gewendet, Zweizylinder-Goliath GP700 und GP 900, die Ein- resp. Zweizylinder Maico 250 und 400 sowie Lloyd Alexander, NSU Prinz, Glas Isar und BMW 700 mit luftgekühlten Zweizylindermotoren. Sogar die Kabinenroller von Messerschmidt und Heinkel versuchen, im Automobilsektor zu wildern.
Größere Pkws, die den Namen auch verdienen, werden bald hergestellt, der VW Käfer sogar bereits ab 1945. Wenig später folgen Mercedes 170 und 180, Opel Olympia und Kapitän, DKW 1000, Borgward Isabella, BMW 501, Ford „Buckel“-Taunus ...
Die US-amerikanische Automobilindustrie verharrt jahrzehntelang in der Produktion ihrer Straßenkreuzer. In Europa läuft der Trend aber schnell in Richtung „zweck-orientierteres Automobil“. Die Familien fahren vor allem Stufenheck-Viertürer, manche auch Stufenheck-Zweitürer, Bäcker, Sattler, Elektriker und Maler die eher spartanisch ausgerüsteten Kombis.
Die sechziger Jahre. Das Auto macht mobil. Es gilt, diese Mobilität zu fördern, die neu gewonnene Freiheit nicht einzuengen. Nur breite Straßen dürfen neu angelegt werden. Straßen, die das Automobil nicht behindern ... Die Gemeinden sind aufgefordert, dort, wo der Bürger mit dem Auto vorfährt, großzügig Parkraum zu schaffen. Eine Euphorie der Mobilität hat Europa ergriffen. Auch Luxemburg. Doch im Herbst 1973 kommt der Dämpfer. Gleich doppelt. Zuerst mit der ersten sogenannten „Ölkrise“; die Ölbarone lassen das Petroleum spärlicher sprudeln. Das puscht den Preis. Und den Gewinn! Einige autofreie Sonntage werden zwangsverordnet, auch langsamer zu fahren. Wenn weniger schnell gefahren wird, wird weniger verbraucht. Und wenn das Land weniger Kraftstoff importiert, spült es weniger Devisen über die Landesgrenzen. Gleichzeitig wird das langsamere Fahren als Segen für die Verkehrssicherheit entdeckt - 1972 löscht Moloch Verkehr die Rekordzahl von 132 Menschenleben in Luxemburg aus ... Seither hat sich die Situation fortlaufend verbessert.
Das Automobil folgt stets dem Trend der Zeit. Die Zuneigung zum sparsamen Antrieb wächst, der Dieselmotor soll es (nach mehr als einem halben Jahrhundert Aschenputtel-Dasein im Pkw-Bereich) richten. Was der lärmende und stinkende Selbstzünder auch schafft. Zuerst in Europa, später „aus Japan für Europa.“ Fernost erobert, es sei daran erinnert, in den sechziger Jahren nach Nordamerika Europa als lukratives Absatzgebiet.
Der Abgasturbolader eröffnet ab den Achtzigern neue Möglichkeiten zum sparsamen Verbrauch. Die Elektronik bringt weitere zündende Vorteile. Sie wiederum ebnet der Direkteinspritzung den Weg, vor allem im Dieselmotor. Der Selbstzünder nutzt die im Kraftstoff enthaltene Energie viel besser, er lärmt und rußt deutlich weniger.
Komfortable Mittelklasse-Pkws schaffen heute problemlos einen Durchschnittsverbrauch (nach Norm) von fünf bis sechs Litern Dieselöl - die Haushaltskassen werden nicht überstrapaziert. Zur Ehrrettung: Der Benziner geht in der Zwischenzeit deutlich geiziger mit dem Ottokraftstoff um als noch vor zehn Jahren und mehr.
Dem Kombi kommt Anfang der 60er- Jahre die Heckklappen-Karosserie ins Gehege. Der legendäre R4 macht 1961 als erster Großserien-Pkw dieser Art den Anfang; er zeichnet den Weg vor für eine immer breiter werdende Heckklappen-Population. Keine populäre Marke, die nicht „mitklappen“ würde, mit Steilheck und / oder Fließheck, das auch Hatch-Back genannt wird. Zum Nachteil des fünftürigen Kombis und des viertürigen Stufenheck-Pkws erobern die Klappen-Pkws eine breite Käuferschicht. Über den Kombi, das Bäcker- und Malerauto, rümpfen noch viele die Nase. Der Fließheck-Pkw bietet vergleichbare Nutzungsmöglichkeiten, sieht allerdings eleganter aus, ist viel näher an der Limousine.
Der Fließheck-Pkw begleitet als Erster die sozio-demographische Entwicklung, der das Automobil sich konsequent anpasst. Obwohl die Familien eher kleiner als größer werden, geht der Bedarf eindeutig in Richtung geräumigere Autos. Man kann sich schließlich immer mehr leisten ... Wo der Hatch-Back nicht mehr ausreicht, ist bald der MPV, der Mehrzweck-Pkw mit Heckklappe und höherem Dach, zur Stelle. Aus dem MPV geht der Minivan hervor, eine Bezeichnung, die vom amerikanischen Van abgeleitet ist. Der zurzeit letzte Trend heißt Crossover. Er bedient sich verschiedener Karosserieentwicklungen, ist demnach nicht mehr genau einzuordnen. Bleibt der SUV, den wir allerdings nicht in die Kategorie der Familienautos einreihen möchten.
Eine verbindende Funktion übt das Auto auch aus, wenn die Tochter oder der Sohn den 18. Geburtstag gefeiert hat. „Juchhee, ich darf den Führerschein machen!“ Und dann Auto fahren, Mama ist schließlich nicht so. Ein bisschen bitten, betteln, liebkosen und versprechen, dass es nicht zu spät wird, dass vernünftig gefahren und kein Alkohol getrunken wird, dass morgen ganz sicher zwei Stunden lang französische Verben gepaukt werden, auch Mathe und Philo selbstverständlich, zwei Stunden Englisch noch dazu ... Da kann auch die allerstrengste Mama nicht nein sagen.
Unter dem Strich ist das Automobil nicht mehr aus der Familie -wegzudenken. Höchstens noch in -dichten Ballungsgebieten, in denen Schule, Sportstätte, Arzt, Frisör und Zeitungskiosk in der Nähe liegen oder mit dem öffentlichen Transport zu erreichen sind. Beim Supermarkt wird’s schon schwieriger. Ohne ihn geht’s kaum noch, Schleppen ist angesagt. Jetzt kommen die kleinen Stadtflitzer groß heraus: Heckklappe auf, die gefüllten Eco-Taschen hinein und ab geht es vor die Haustür ...
Welche Familie hält es heute noch Woche für Woche, jahrein, jahraus im trauten Heime? Das Automobil eröffnet ihr Reisemöglichkeiten, Herz, was begehrest du mehr? Im Sommer in den Bettemburger Park, nach Brühl und an die belgische Küste, nach Tirol in den Wintersport und sommers an die Adria, zu Oma und Opa am anderen Ende des Landes, ins Kino oder zum Radrennen ... Wie schrieb doch Eugen Diesel: „Froh hatte er die Familie in den eigenen Wagen geladen, mit den freundlichsten Vorsätzen, den Seinen die Schönheit der Welt zu zeigen, die geliebte Frau zu erfreuen, die Jugend zu belehren, alle und sich selbst aber zu beglücken.“ Würde, ja müsste er heute etwas anderes schreiben?
Der „pferdelose Wagen“ war von Anfang an nicht nur dazu da, seinen „Conducteur“ einfach mal von A nach B zu fahren. Er war bereits vor der Jahrhundertwende 1899/1900 ein Transportmittel für die Familie, allerdings nur für begüterte. Beredtes Beispiel: die „Vis-à-Vis“ von Amédée Bollée fils, De Dion Bouton, Georges Richard, Peugeot, Decauville und anderen, in der sich vier Mitfahrende hoch oben paarweise gegenüber saßen. Der Kutscher war zum Chauffeur avanciert, zum fahrenden Diener, der auch etwas von der Mechanik zu verstehen hatte. Eugen Diesel (Sohn von Rudolf Diesel, Erfinder des nach ihm benannten Motors) schreibt in seinem Buch „Autoreise 1905“ (Reclam-Verlag, Leipzig, 1941): „Fast jeden Tag war etwas am Wagen zu tun, Ventile waren einzuschleifen, Ölkohle vom Kolben zu entfernen, das Gestänge der Abreißzündung nachzustellen, der Vergaser auseinanderzunehmen“. Der Vergaser wurde als „Versager“ beschimpft, und die Pneumatiks machten regelmäßig schlapp. Trotzdem: Der Motorwagen fuhr, er fuhr bereits 1905 die Diesel-Familie von München durch die Schweiz nach Italien, „auch bergauf wie der Teufel“. Die Fahrt mit dem erst kurz zuvor angelieferten NAG (Neue Automobil-Gesellschaft) konnte beginnen. Zitieren wir Eugen Diesel ein letztes Mal: „Froh hatte er (der Vater; die Red.) die Familie in den eigenen Wagen geladen, mit den freundlichsten Vorsätzen, den Seinen die Schönheit der Welt zu zeigen, die geliebte Frau zu erfreuen, die Jugend zu belehren, alle und sich selbst aber zu beglücken“.
![]() 1960 RueJeanOriger,Luxembourg |
![]() 1998 RueJeanOriger,Luxembourg |
Setzen wir jetzt zu einem Zeitsprung an - so um die 50 Jahre.
Als „Uncle Sam“-Straßenkreuzer in waren
Die 50er-Jahre markieren gewissermaßen die Geburtsstunde des Pkws als Familienauto. Zwei Entwicklungen stehen sich gegenüber. Einerseits der amerikanische Straßenkreuzer, andererseits, bis auf einige wenige Raritäten, Klein- und Keinstwagen aus europäischen Werkstätten. Wer es sich leisten kann, fährt Buick, Studebaker, Lincoln, Mercury, Oldsmobil, Nash ... Man weiß, was man den Amerikanern zu verdanken hat. Die Luxemburger machen scheinbar aus ihrem Dank keinen Hehl. Wenigstens viele, die sich bereits ein schickes Auto leisten können.Die europäische Autoindustrie gesundet flink und fleißig. Auf Luxemburger Straßen gehen die aus Großbritannien kommenden Ford Prefect und Anglia, Singer SM, Morris Minor, Hillman Minx, Vauxhall Velox usw., aus Frankreich die bereits seit 1934 gebaute Citro‘n Traction sowie Peugeot 203, Renault 4CV, Ford Vedette ... den „Uncle Sam“-Limousinen (noch) aus dem Wege. In Deutschland sind die meisten Industrieanlagen ein Trümmerhaufen. Die Autoindustrie erwacht aber schnell zu neuem Leben, geht aber teils sonderbare Wege. In der Bevölkerung herrscht große Armut, die Folge: eine ganze Reihe Minimalautos: BMW Isetta mit Ein-, später mit Zweizylindermotor, der Zweizylinder-Goggomobil als Viersitzer, später sogar als Coup..., Zündapp Janus mit Einzylindermotor und vier Sitzen, die beiden hinteren rückwärts gewendet, Zweizylinder-Goliath GP700 und GP 900, die Ein- resp. Zweizylinder Maico 250 und 400 sowie Lloyd Alexander, NSU Prinz, Glas Isar und BMW 700 mit luftgekühlten Zweizylindermotoren. Sogar die Kabinenroller von Messerschmidt und Heinkel versuchen, im Automobilsektor zu wildern.
Größere Pkws, die den Namen auch verdienen, werden bald hergestellt, der VW Käfer sogar bereits ab 1945. Wenig später folgen Mercedes 170 und 180, Opel Olympia und Kapitän, DKW 1000, Borgward Isabella, BMW 501, Ford „Buckel“-Taunus ...
![]() 1965 EnzgaasinRemich |
![]() 1987 EnzgaasinRemich |
Das „Wirtschaftswunder“ als „Turbo“
Die Minimalautos und Kabinenroller kämpfen höchstens ein Jahrzehnt lang ums Überleben, schmalbrüstig geht ihnen die Atemluft aus. Gegen das „vollwertige“ Automobil bestehen sie nicht lange. Europa erholt sich nämlich schnell vom Kriegsleid und den Kriegsfolgen. Das in Deutschland noch heute gefeierte „Wirtschaftswunder“ eröffnet neue wirtschaftliche Perspektiven, nicht nur für Deutschland, nicht nur für die deutschen Haushalte, sondern für ganz Westeuropa - den Amerikanern sei Dank!Die US-amerikanische Automobilindustrie verharrt jahrzehntelang in der Produktion ihrer Straßenkreuzer. In Europa läuft der Trend aber schnell in Richtung „zweck-orientierteres Automobil“. Die Familien fahren vor allem Stufenheck-Viertürer, manche auch Stufenheck-Zweitürer, Bäcker, Sattler, Elektriker und Maler die eher spartanisch ausgerüsteten Kombis.
Die sechziger Jahre. Das Auto macht mobil. Es gilt, diese Mobilität zu fördern, die neu gewonnene Freiheit nicht einzuengen. Nur breite Straßen dürfen neu angelegt werden. Straßen, die das Automobil nicht behindern ... Die Gemeinden sind aufgefordert, dort, wo der Bürger mit dem Auto vorfährt, großzügig Parkraum zu schaffen. Eine Euphorie der Mobilität hat Europa ergriffen. Auch Luxemburg. Doch im Herbst 1973 kommt der Dämpfer. Gleich doppelt. Zuerst mit der ersten sogenannten „Ölkrise“; die Ölbarone lassen das Petroleum spärlicher sprudeln. Das puscht den Preis. Und den Gewinn! Einige autofreie Sonntage werden zwangsverordnet, auch langsamer zu fahren. Wenn weniger schnell gefahren wird, wird weniger verbraucht. Und wenn das Land weniger Kraftstoff importiert, spült es weniger Devisen über die Landesgrenzen. Gleichzeitig wird das langsamere Fahren als Segen für die Verkehrssicherheit entdeckt - 1972 löscht Moloch Verkehr die Rekordzahl von 132 Menschenleben in Luxemburg aus ... Seither hat sich die Situation fortlaufend verbessert.
![]() 1974 RuePhilippeII |
![]() 2004 RuePhilippeII |
Das sparsamere Automobil „entdeckt“
Die siebziger Jahre gehen als die Jahre in die Geschichte ein, in denen die Automobilbegeisterung (zurück) in vernünftigere Bahnen gelenkt wird. „Bahn frei für das Auto!“ war einmal. Sowohl beim Straßenbau als auch bei der Stadt- und der Dorfplanung. Umgehungsstraßen und Autobahnen lenken nach und nach die Blechlawinen an den urbanen Gebieten vorbei. Eine Entwicklung, die auch heute noch fortgeführt wird.Das Automobil folgt stets dem Trend der Zeit. Die Zuneigung zum sparsamen Antrieb wächst, der Dieselmotor soll es (nach mehr als einem halben Jahrhundert Aschenputtel-Dasein im Pkw-Bereich) richten. Was der lärmende und stinkende Selbstzünder auch schafft. Zuerst in Europa, später „aus Japan für Europa.“ Fernost erobert, es sei daran erinnert, in den sechziger Jahren nach Nordamerika Europa als lukratives Absatzgebiet.
Der Abgasturbolader eröffnet ab den Achtzigern neue Möglichkeiten zum sparsamen Verbrauch. Die Elektronik bringt weitere zündende Vorteile. Sie wiederum ebnet der Direkteinspritzung den Weg, vor allem im Dieselmotor. Der Selbstzünder nutzt die im Kraftstoff enthaltene Energie viel besser, er lärmt und rußt deutlich weniger.
Komfortable Mittelklasse-Pkws schaffen heute problemlos einen Durchschnittsverbrauch (nach Norm) von fünf bis sechs Litern Dieselöl - die Haushaltskassen werden nicht überstrapaziert. Zur Ehrrettung: Der Benziner geht in der Zwischenzeit deutlich geiziger mit dem Ottokraftstoff um als noch vor zehn Jahren und mehr.
Frontantrieb macht das Rennen
Das Automobil als treuer und stets vielseitiger Diener hat sich im Lauf der Jahre auch den Bedürfnissen und Ansprüchen der Familien angepasst. Der in den sechziger Jahren ziemlich verbreitete Heckmotor ist (außer auf dem Sportwagengebiet) verschwunden. „Motor vorne, Antrieb hinten“ ist eine Formel, der, im Bereich der populäreren Pkws, nur noch zwei Hersteller die Treue halten. Der Frontantrieb hat das Rennen gemacht. Seine kompaktere Bauweise ermöglicht relativ viel Innenraum. Für vier bis fünf Insassen mit Koffern, Taschen und vielem mehr.Dem Kombi kommt Anfang der 60er- Jahre die Heckklappen-Karosserie ins Gehege. Der legendäre R4 macht 1961 als erster Großserien-Pkw dieser Art den Anfang; er zeichnet den Weg vor für eine immer breiter werdende Heckklappen-Population. Keine populäre Marke, die nicht „mitklappen“ würde, mit Steilheck und / oder Fließheck, das auch Hatch-Back genannt wird. Zum Nachteil des fünftürigen Kombis und des viertürigen Stufenheck-Pkws erobern die Klappen-Pkws eine breite Käuferschicht. Über den Kombi, das Bäcker- und Malerauto, rümpfen noch viele die Nase. Der Fließheck-Pkw bietet vergleichbare Nutzungsmöglichkeiten, sieht allerdings eleganter aus, ist viel näher an der Limousine.
Bei Anruf kurvt Oma um die Ecke
Mehr oder weniger gleichzeitig beginnt das Zweitauto sich in den Familien einzunisten.ÊVorderradantrieb und Hatch-Back gestatten es nämlich, kleinere, trotzdem aber geräumige und handliche Automobile zu bauen. Auch kostengünstige, nicht nur in der Anschaffung. Die Entwicklung ist auch Spiegelbild der sozio-demographischen Entwicklung. Vater rackert immer seltener allein, um die Familie zu ernähren. Vater und Mutter sind berufstätig, werden in der Wirtschaft gebraucht. Und der Nachwuchs? Ach ja, da sind ja noch die Großeltern. Sie leben längst nicht mehr mit der jungen Familie unter einem Dach. Vergessen sind sie aber nicht, vor allem die wertvolle Hilfe, die sie bei der Kinderbetreuung leisten können. Vor allem die Oma, wenn sie ihr eigenes Auto hat. Anruf genügt, und schon kurvt sie um die Ecke. Den Enkelsohn und/oder die Enkelin im Hort abholen, zum Schwimmtraining begleiten, zur Geburtstagsparty bringen, auf der Fahrt zum Zahnarzt ermutigende, nachher tröstende Worte finden ... , die Tür öffnen, wenn der Elektriker die reparierte Waschmaschine liefert. Ein breit gefächertes „Dienstleistungsangebot“ der Großeltern - ohne eigenes Auto nicht möglich.Der Fließheck-Pkw begleitet als Erster die sozio-demographische Entwicklung, der das Automobil sich konsequent anpasst. Obwohl die Familien eher kleiner als größer werden, geht der Bedarf eindeutig in Richtung geräumigere Autos. Man kann sich schließlich immer mehr leisten ... Wo der Hatch-Back nicht mehr ausreicht, ist bald der MPV, der Mehrzweck-Pkw mit Heckklappe und höherem Dach, zur Stelle. Aus dem MPV geht der Minivan hervor, eine Bezeichnung, die vom amerikanischen Van abgeleitet ist. Der zurzeit letzte Trend heißt Crossover. Er bedient sich verschiedener Karosserieentwicklungen, ist demnach nicht mehr genau einzuordnen. Bleibt der SUV, den wir allerdings nicht in die Kategorie der Familienautos einreihen möchten.
Roter Teppich für Kindersegen
Auch die kinderreichere Familie lässt die Automobilindustrie nicht im Stich, und zwar mit Minivans mit bis zu sieben, acht oder gar neun Sitzplätzen. Sehr praktische Fahrzeuge, nicht nur weil sie dem Kindersegen sozusagen den roten Teppich ausrollen. Diese Fahrzeugkategorie hat darüber hinaus den für viele unschätzbaren Vorteil, äußerst geräumig und demnach sehr „praktisch“ zu sein. Entweder weil die meisten Sitze sich einfach ausbauen oder in den Fahrzeugboden wegklappen lassen. Eine Menge Freizeitgerätschaft passt hinein, selbstverständlich auch der zusammengeklappte Kinderwagen. Die logische Folge: Minivan und junge Familie verbindet eine große Liebe.Eine verbindende Funktion übt das Auto auch aus, wenn die Tochter oder der Sohn den 18. Geburtstag gefeiert hat. „Juchhee, ich darf den Führerschein machen!“ Und dann Auto fahren, Mama ist schließlich nicht so. Ein bisschen bitten, betteln, liebkosen und versprechen, dass es nicht zu spät wird, dass vernünftig gefahren und kein Alkohol getrunken wird, dass morgen ganz sicher zwei Stunden lang französische Verben gepaukt werden, auch Mathe und Philo selbstverständlich, zwei Stunden Englisch noch dazu ... Da kann auch die allerstrengste Mama nicht nein sagen.
Unter dem Strich ist das Automobil nicht mehr aus der Familie -wegzudenken. Höchstens noch in -dichten Ballungsgebieten, in denen Schule, Sportstätte, Arzt, Frisör und Zeitungskiosk in der Nähe liegen oder mit dem öffentlichen Transport zu erreichen sind. Beim Supermarkt wird’s schon schwieriger. Ohne ihn geht’s kaum noch, Schleppen ist angesagt. Jetzt kommen die kleinen Stadtflitzer groß heraus: Heckklappe auf, die gefüllten Eco-Taschen hinein und ab geht es vor die Haustür ...
Welche Familie hält es heute noch Woche für Woche, jahrein, jahraus im trauten Heime? Das Automobil eröffnet ihr Reisemöglichkeiten, Herz, was begehrest du mehr? Im Sommer in den Bettemburger Park, nach Brühl und an die belgische Küste, nach Tirol in den Wintersport und sommers an die Adria, zu Oma und Opa am anderen Ende des Landes, ins Kino oder zum Radrennen ... Wie schrieb doch Eugen Diesel: „Froh hatte er die Familie in den eigenen Wagen geladen, mit den freundlichsten Vorsätzen, den Seinen die Schönheit der Welt zu zeigen, die geliebte Frau zu erfreuen, die Jugend zu belehren, alle und sich selbst aber zu beglücken.“ Würde, ja müsste er heute etwas anderes schreiben?







